Weiß muss nicht ziehen, wenn Schwarz nicht am Brett?

thomas.soergel
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Re: Weiß muss nicht ziehen, wenn Schwarz nicht am Brett?

Beitrag von thomas.soergel » 12.01.2011, 19:15

Weiter möchte ich anmerken, dass das Ingangsetzen der Uhr des Weißen auch nicht im Widerspruch zu Art. 6.5 steht, solange nicht im Fischermodus gespielt wird. Dieser Art. besagt lediglich, dass mit Partiebeginn die Uhr des Weißen zu starten ist.
Es steht nirgendwo, dass vor Partiebeginn die Uhr des Schwarzen nicht laufen darf. Zumindest nicht, wenn es durch eine TO gedeckt ist. Und solange die Aufstellungen nicht abgegeben wurde, hat die Partie nicht begonnen, weil zumindest ein Spieler eben nicht bekannt ist.
Sobald die Aufstellung abgegeben wurde, darf der Spieler mit Schwarz die Uhr drücken und erst jetzt beginnt die Partie.

Dass dieses Verfahren nicht mehr zeitgemäß und im Fischermodus sogar regelwidrig ist, steht auf einem anderen Blatt.
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Georg Heinze
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Re: Weiß muss nicht ziehen, wenn Schwarz nicht am Brett?

Beitrag von Georg Heinze » 12.01.2011, 20:15

hoppepit schreibt:
Die FIDE-Regeln (Laws of Chess) kennen aber keinen Mannschaftskampf, dort ist nur das Spiel am Brett geregelt!!
Und das Spiel am Brett dürfte immer gleich sein, egal ob Einzel oder Mannschaft?!
Eben!
Die weiteren Details sind dann in der Turnierordnung bzw. in der Ausschreibung geregelt. Und da gibt es Unterschiede bei einem Einzel- oder Mannschaftskampf. Bei einem Einzelturnier braucht ja z.B. niemand auf seine Mannschaftskameraden zu warten.
In meinen Ausführungen habe ich mich auf einen Mannschaftskämpfe bezogen, da er explizit in der Eingangsfragestellung benannt ist.

hoppepit
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Re: Weiß muss nicht ziehen, wenn Schwarz nicht am Brett?

Beitrag von hoppepit » 12.01.2011, 22:29

Georg Heinze hat geschrieben:Eben!
Die weiteren Details sind dann in der Turnierordnung bzw. in der Ausschreibung geregelt. Und da gibt es Unterschiede bei einem Einzel- oder Mannschaftskampf. Bei einem Einzelturnier braucht ja z.B. niemand auf seine Mannschaftskameraden zu warten.
In meinen Ausführungen habe ich mich auf einen Mannschaftskämpfe bezogen, da er explizit in der Eingangsfragestellung benannt ist.
Du scheinst vermutlich nicht ganz zu verstehen, worauf ich hinaus will!
Dazu ein Zitat aus dem Vorwort der FIDE-Regeln:
Eine angeschlossene Föderation hat das Recht, detailliertere Schachregeln einzuführen,
vorausgesetzt, dass diese:
a) in keiner Weise mit den offiziellen Schachregeln der FIDE in Konflikt treten,
b) nur im Gebiet der betreffenden Föderation Anwendung finden,
c) weder für Wettkämpfe, Meisterschaften oder Qualifikationsturniere der FIDE, noch für
Titel- oder Wertungsturniere der FIDE gelten.
Egal, was in der TO bzw. der Ausschreibung steht, das eigentliche Spiel am Brett bleibt das Gleiche.
Und darum ging es doch in der Eingangs gestellten Frage, oder?!
Gruß, Peter

Unterlagen für Schiedsrichter und Turnierorganisation:
https://www.schachschiri.de
Threema: 9K9JAZ6F

Georg Heinze
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Re: Weiß muss nicht ziehen, wenn Schwarz nicht am Brett?

Beitrag von Georg Heinze » 12.01.2011, 22:47

Zu der eingangs gestellten Frage habe ich bereits am 11.01. (wie auch andere) geantwortet und ich denke, da ist der Sachverhalt klar.
Es kam aber eine weitere Frage auf: was passiert, wenn eine Mannschaft zum festgesetzten Spielbeginn noch nicht vollzählig ist und noch keine Mannschaftsaufstellung abgibt? Das ist aber nicht von den FIDE-Artikeln erfasst (weil Mannschaftskampf) und dafür gibt es eben die Turnierordnung bzw. die Ausschreibung. Ich kann nicht sehen, wie deswegen eine TO mit den FIDE-Regeln nicht im Einklang steht. Möglicherweise missverstehen wir uns da, obwohl wir der gleichen Meinung sind?

thomas.soergel
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Mannschaftskampf und FIDE-Regeln

Beitrag von thomas.soergel » 12.01.2011, 23:23

Die FIDE-Regeln gelten auch beim Mannschaftskampf, solange man jede einzelne Partie betrachtet. Bei einem Einzelturnier ist die Sache vergleichbar klar. Es gibt einen Spieler A mit Weiß und einen Spieler B mit Schwarz. Der SR startet die Uhr von A und dieser zieht. Ist B nicht da und es gibt eine Kulanzzeit, so muss A trotzdem ziehen, auch wenn B noch nicht am Brett ist.
Gleiches gilt bei einem Mannschaftskampf mit abgegebenen Aufstellungen, auch hier sind A und B bekannt. Damit endet der Wirkungsbereich der FIDE-Regeln. Wenn keine Mannschaftsaufstellung abgegeben wurde oder zu wenig Spieler anwesend sind, kann eine Turnierordnung festlegen, dass keine Partie begonnen werden darf und dass einer Seite Bedenkzeit abgezogen wird. Ob dies nun sofort durch Starten der Uhren oder durch Neueinstellung der Bedenkzeit geschieht, ist sekundär. Wenn keine Partie begonnen wurde, dann kann auch keine FIDE-Regel verletzt werden.
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Georg Heinze
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Re: Weiß muss nicht ziehen, wenn Schwarz nicht am Brett?

Beitrag von Georg Heinze » 13.01.2011, 14:02

Zum letzten von thomas.soergel angesprochenen Punkt vielleich als Ergänzung 2 Artikel aus der WTO des Schacherbandes Sachsen:
5.
Eine Mannschaft ist spielfähig, wenn 50% der Bretter besetzt sind. Eine spielfähige,
aber nicht vollzählige Mannschaft kann den Wettkampf beginnen, wenn die
Mannschaftsaufstellung übergeben wurde. Die Uhren werden in Gang gesetzt.
6.
Eine nicht vollzählige Mannschaft kann auf fehlende Spieler warten und die
Mannschaftsaufstellung zurück halten. Die Uhren dieser Mannschaft werden in Gang
gesetzt.
Das heißt, mit der Abgabe der Mannschaftsmeldung sind die jeweiligen Gegner bekannt und es gilt für jedes einzelne Brett die benannte FIDE-Regel 6.5.
Solange die Mannschaftsaufstellung nicht abgegeben wurde, kann auch keine Partie beginnen, aber die Zeit geht eben zu Lasten der betreffenden Mannschaft. Bei Überschreiten der Karenzzeit verliert die Mannschaft dann mit 0 : x.

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