Anheben der Uhr

Georg Heinze
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Re: Anheben der Uhr

Beitrag von Georg Heinze » 20.06.2011, 08:51

Belassen wir es bei der Zufälligkeit ...

JoergWeisbrod
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Re: Anheben der Uhr

Beitrag von JoergWeisbrod » 20.06.2011, 10:54

Ich hatte im Dezember 2010 in einem Mannschaftskampf folgenden Fall:
Bei uns in der Liga ist der Mannschaftsführer der Gastmannschaft (meine Mannschaft) Schiedsrichter, aber da ich den Schiedsrichterschein habe, überträgt er mir diese Aufgabe meist. Damit sind wenigstens die Funktionen von Mannschaftsführer und Schiedsrichter getrennt.
An Brett drei (meine Kollegin ist in Zeitnot) hebt der am Zug befindliche Gegner die Uhr an und drückt (versehentlich ?) beim Abstellen seinen Knopf, sodass die Uhr seiner Gegnerin anlief, obwohl er am Zug war.
Obwohl ich wusste, dass er die Uhr nicht anheben darf, wollte ich zumindest deshalb hier nicht eingreifen, da der Gegner scheinbar mit diesen neuen digitalen Uhren (Silver) seines Vereins nicht klarkam und offensichtlich auch schlecht sah.
Noch bevor ich mich entschieden hatte, ob ich wegen des Drückens der Uhr eingreifen solle, zog er.
Nach einiger Zeit beobachte ich allerdings dasselbe Verhalten dieses Spielers erneut. Seine Gegnerin hatte noch ein bis zwei Minuten für den 40. Zug.
Er hob die Uhr hoch, schaute frontal darauf, stellte sie wieder ab und betätigte dabei mit dem Handballen seinen Drücker, sodass wieder die Zeit seiner Gegnerin lief, obwohl er am Zug war.
Da ich nun 1,5 Meter danebenstand, um das Geschehen genau zu beobachten (Zeitnot), griff ich ein, um zu korrigieren, ohne die Partie kurz vor der Zeitkontrolle zu sehr stören zu wollen.
Und zwar drückte ich als Schiedsrichter die Uhr zurück.
Niemand hat in diesem Moment daran Anstoß genommen.
Nachdem er und seine Gegnerin noch jeweils einen Zug gemacht hatten, ließ dieser Spieler seine 10 Minuten nachdenkend verstreichen, ohne seinen letzten, 40. Zug auszuführen.
Ich hielt die Uhr an und sagte: "Zeitkontrolle".
Er hatte einfach nicht bemerkt, dass nun auch (und nur noch) er in "Zeitnot" war.
Die daraufhin enstehenden Tumulte führen hier zu weit. Mir wurde unterstellt, mich heimlich an der Uhr zu schaffen gemacht, den Spieler gestört und dadurch seinen Verlust verursacht zu haben, obwohl er für seinen letzten Zug etwa 10 Minuten Zeit hatte und nicht mehr "gestört" wurde. Außerdem wurde ich während der Tumulte beleidigt, und die Redeführer der betroffenen (Heim-)Mannschaft wollten auch nicht den Spielsaal mit mir verlassen, damit die anderen Partien nicht durch die heftigen Diskussionen gestört würden.
Meine Mannschaft gewann 4,5 zu 3,5 und der Gegner (sein gar nicht anwesender offizieller Mannschaftsführer) legte Protest ein, der aber später zurückgezogen wurde, da offensichtlich kein anwesender Spieler der protestführenden Mannschaft eine Aussage zu den genauen Geschehnissen machen wollte/konnte.
Was sagt Ihr anderen Schiedsrichter dazu ?

Trotzdem möchte ich nicht dafür plädieren, auch die Spielerknöpfe der Silver erst mit Verzögerung reagieren zu lassen, da ich so etwas sonst noch nie erlebt habe.

Auch mein Verein hat sich für das (neue Modell) der Silver entschieden und wir sind sehr zufrieden. Die Verzögerung beim Stoppen habe ich auch bemerkt und erkläre sie den Gästen vor jedem Heimkampf. In der Tat stört mich diese Verzögerung (etwa 0,5 Sekunden) schon etwas.
Ich habe mich schon gefragt, warum die angezeigte Uhrzeit nicht sofort beim Herunterdrücken des mittleren Knopfes stoppt, intern aber weitergeht, und erst wenn der Knopf mehr als eine halbe Sekunde gedrückt bleibt, die angezeigte Zeit als gestoppte Zeit gilt. Sollte der Knopf früher wieder losgelassen werden, wird wieder die interne Zeit als weitergelaufene angezeigt.
Damit könnte man eigentlich beide Ziele (sofortiges Stoppen und kein Stoppen aus Versehen) einigermaßen erreichen.

Jörg
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Re: Anheben der Uhr

Beitrag von thomas.soergel » 20.06.2011, 16:38

Ich denke, Jörg hat weitgehend korrekt gehandelt. Beim ersten Mal mag es Versehen sein, beim zweiten Mal war es Methode und es wäre kein Fehler gewesen, der benachteiligten Spielerin eine Zeitgutschrift zu geben. Manche Spieler reagieren halt erst, wenn sie richtig zurechtgestutzt werden. Die Beleidigungen hätte ich mir aber notiert und gemeldet.
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Re: Anheben der Uhr

Beitrag von hoppepit » 20.06.2011, 17:57

thomas.soergel hat geschrieben:Ich denke, Jörg hat weitgehend korrekt gehandelt.
Soll jetzt keine Kritik sein, nur ein Denkansatz:
Hätte man den Uhranheber beim ersten Mal direkt verwarnt bzw. auf sein Vergehen hingewiesen, wäre wohl das zweite Mal garnicht passiert.

Und einfach Zurückdrücken sollte der SR die Uhr nicht.
Gruß, Peter

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Re: Anheben der Uhr

Beitrag von JoergWeisbrod » 20.06.2011, 18:09

Ja, das habe ich mir dann auch gedacht.
Aber ich wollte nicht unnötig tief in die Zeitnotpartie eingreifen.
Ich hätte ja nie gedacht, dass es zweimal passiert oder Absicht ist.
Jörg

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Re: Anheben der Uhr

Beitrag von Georg Heinze » 20.06.2011, 20:25

Im Nachhinein betrachtet hat Jörg nicht alles richtig gemacht. Allerdings ist es nicht einfach, sozusagen als spielender Schiedsrichter, alles im Griff zu haben. Beim nächsten Mal würde er sicher schon beim ersten Mal durchgreifen und es gäbe kein zweites Mal.
Andererseits gilt es auch, ein gewisses Fingerspitzengefühl zu wahren. Viele Spieler wissen es doch gar nicht, dass man die Uhr nicht anheben darf. Sie wollen einfach nur die genaue noch verbleibende Zeit wissen und denken sich nichts dabei. Im allgemeinen handelt es sich außerdem ohnhin noch um Zeitnot. Da kann man nicht mit dem Holzhammer kommen. Allerdings hat im geschilderten Fall der Spieler nicht nur die Uhr angehoben, sondern der Gegnerin auch Sekunden an Zeit gestohlen. Da wäre eine Ermahnung und eine Zeitgutschrift für die Gegnerin angemessen gewesen. Aber wie gesagt, im Nachhinein ...

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Re: Anheben der Uhr

Beitrag von thomas.soergel » 21.06.2011, 10:21

Ich nehme einmal an, der Kampf fand auf Kreisebene statt. Da erlebt man leider Gottes die Spieler mit dem berühmten, gefährlichen Halbwissen, was zu eigenwilligen Interpretationen führt, was man alles darf und was nicht. Aber ich gebe Peter und Georg Recht, man hätte beim ersten Mal schon einschreiten müssen, schon wegen der möglicherweise wertvollen Sekunden.
Aber man ist auch nicht gefeit ob der Skurilität dieser Situation.
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