Notation - darf/sollte Schiedsrichter eingreifen?

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Alexander
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Notation - darf/sollte Schiedsrichter eingreifen?

Beitrag von Alexander » 09.08.2011, 19:02

Ich habe es selber schon ein paar mal erlebt, dass die Schlagzüge nicht mit Sxe4 sondern mit Se4: notiert worden sind. Oder Schlagzüge des Bauern mit ed bzw. ed: und nicht wie exd6. Sollte bzw. darf man als Schiedsrichter den Spieler darauf hinweisen oder muss man ihn sogar darauf hinweisen? Die alte Schreibweise mit Se4: ist in der aktuellen Fideregel ja nicht mehr drin. So ganz regelkomform ist es ja nicht, wenn einer nicht Sxe4 sondern Se4: oder ed: notiert.

Wie seht ihr das?

hoppepit
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Re: Notation - darf/sollte Schiedsrichter eingreifen?

Beitrag von hoppepit » 09.08.2011, 19:39

Meines Erachtens besteht kein Handlungsbedarf seitens des SR's.
Schlagzeichen, Schach- und Mattgebote müssen nicht notiert werden.

Siehe englische Originalfassung der FIDE-Regeln C.13:
It is not mandatory to record the check, the checkmate and capturing on the scoresheet.
Dieser Satz fehlt komischerweise komplett in der deutschen Übersetzung!
Gruß, Peter

Unterlagen für Schiedsrichter und Turnierorganisation:
https://www.schachschiri.de
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Alexander
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Re: Notation - darf/sollte Schiedsrichter eingreifen?

Beitrag von Alexander » 09.08.2011, 20:25

Vielen herzlichen Dank für die Info, das wusste ich nicht. Aber warum steht das nicht in der deutschen Fassung drin? Ich kann ja nicht jedesmal in die englische Fassung reinschauen. Aber ein Remisangebot muss notiert werden! Da bin ich mir zu 100% sicher. In die englische Version sollte ich vielleicht mal reinschauen.

Danke nochmals.

Stingray
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Re: Notation - darf/sollte Schiedsrichter eingreifen?

Beitrag von Stingray » 09.08.2011, 23:26

Hmmm... - darf ich da mal eine gegenteilige Meinung äußern? Der Text erlaubt zwar das Unterlassen der Notation für Schlagen, Schach und Matt, nicht aber die falsche Notation. Nun weiß man ja, dass gerade solche Dinge, die sich jahrzehntelang eingebürgert haben, laaaaange bis zur Umsetzung beim letzten Spieler benötigen (insbesondere, weil leider nach wie vor viel zu viele Trainer es auch nicht besser wissen). Meiner Ansicht nach sollte man einen Spieler schon darauf hinweisen, allerdings nicht unbedingt während der noch laufenden Partie.

Wie stets gilt vor allem, dass man sich als Schiedsrichter vor dem Anwenden einer Regel immer mal fragen sollte, warum sie existiert - die einheitlichen Symbole dienen ja wohl in erster Linie der Möglichkeit, dass andere als der betreffende Spieler die Partie nachvollziehen können (sei es jetzt der Schiri bei der Prüfung eines Remisantrags oder das bedauernswerte Bulletinteam, das die Partie komplett erfassen darf), und der Vermeidung unerlaubter Notizen. Da die Doppelpunkte oder die Kurznotation des Bauernschlagens in unserem Kulturkreis lange gelehrt wurden (meine allerersten offiziellen DSB-Bücher beschrieben es genauso), kann man hier wohl getrost davon ausgehen, dass sich hier keiner Notizen macht und ebenso alle, die die Notation hierzulande in die Finger kriegen, sie dennoch verstehen werden.

Kurzum: Prinzipiell stellen die Doppelpunkte und die Formen ed, exd etc. zwar meiner Ansicht nach einen Verstoß gegen den Notationsanhang dar; ernsthaft ahnden sollte man diese jedoch nicht - einfach ein freundlicher Hinweis hilft gerade dabei viel mehr.

thomas.soergel
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Re: Notation - darf/sollte Schiedsrichter eingreifen?

Beitrag von thomas.soergel » 10.08.2011, 17:15

Eine Anmerkung hätte ich dann doch zu den Bauerschlagzügen. Die Notation ed, exd oder ed: sollte man schon beanstanden, das Zielfeld sollte schon beschrieben werden. Zudem kann das Ganze zweideutig sein: Ws: Be4, e5 Sw: Bd7 Schwarz zieht 1. ... d5 und Weiß kann jetzt entweder exd6 oder exd5 antworten.
Bei vielen, insbesondere jungen Spielen gibt es dann noch die Unsitte xc3, wo man dann nicht weiß, ob der b- oder der d-Bauer geschlagen hat.
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Georg Heinze
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Re: Notation - darf/sollte Schiedsrichter eingreifen?

Beitrag von Georg Heinze » 10.08.2011, 22:29

Stingray hat es gut ausgeführt, was die Tätigkeit des SR anbelangt.
Unabhängig von den Regeln soll aber die Notation eindeutig sein. Wenn z.B. 2 Türme schlagen können, muss das Ausgangsfeld des Turmes mit bezeichnet werden.
Um beim Beispiel von thomas.soergel zu bleiben:
Wenn hier mit dem Bauern e4 geschlagen wird, heißt das entweder exd5 oder ed5: oder ed5.
Am besten ist es, man wendet die von der FIDE vorgeschriebene Notation an.

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