"Mattpotential" beim Blitzen - schwierig zu entscheiden?

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lucebike
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"Mattpotential" beim Blitzen - schwierig zu entscheiden?

Beitrag von lucebike » 27.07.2012, 07:50

Hallo,
meine Regelfrage betrifft Punkt 4. von Anhang C (Blitzschach) der FIDE-Regeln:
Um zu gewinnen, muss ein Spieler das Potential zum Mattsetzen haben. Dies wird definiert als hinreichendes Material, um mit regelgemäßen Zügen, gegebenenfalls mit Hilfe des Gegners, schließlich eine Stellung erreichen zu können, in welcher der Gegner am Zuge ist und nicht verhindern kann, dass er im nächsten Zug matt gesetzt werden kann. Somit sind König und zwei Springer gegen König unzureichend, aber Turm gegen Springer ist ausreichend.
Die Regel ist wohl klar und eindeutig, aber in besonderen Konstellationen (die, zugegebenermaßen, in der Praxis eher rar sein dürften, aber schon mal vorkommen könnten) scheint es mir sehr schwierig zu sein, festzustellen, ob ein Spieler Potential zum Mattsetzen hat:

Nehmen wir z.B. an, Weiß hat einen Springer, und Schwarz zwei Springer, zwei Türme und einen Läufer. Dann hat Weiß Potential zum Mattsetzen, wie folgende Position (in der Schwarz am Zug ist) zeigt:
Schwarz: König a1, Türme a2 und b1, Springer a3 und b2, Läufer c1.
Weiß: König h7. Springer a5.

Schwarz hat keinen Zug, der das Matt Sb3 verhindert; diese Stellung kann "mit Hilfe des Gegners" erreicht werden. Läuft also in der oben genannten Materialkonstellation die Zeit von Schwarz ab, hat Weiß gewonnen.

Aber würde in der Turnierpraxis so entschieden werden? Was, wenn Weiß auf Gewinn plädiert, Schwarz auf Remis; liegt es dann bei Weiß, nachzuweisen (d.h. eine geeignete Stellung anzugeben), dass er Potential zum Mattsetzen hat? Oder entscheidet dies der Schiedsrichter?

Mich würde sowohl interessieren, wie diese Regel in schwierigen Fällen in der Theorie gehandhabt werden sollte, als auch, wie sie in der Praxis verwendet wird...

MfG
lucebike

PS: Noch ein anderes Beispiel, um die Schwierigkeit zu illustrieren:
Weiß (am Zug): König a1, Läufer c1.
Schwarz: Springer b2, König h8, Bauer h7.
Weiß hat Mattpotential. Hat Schwarz aber statt des Springers einen Turm, hat Weiß kein Mattpotential (wenn ich nichts übersehen habe)...
Dateianhänge
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Weiß hat kein Mattpotential - oder etwa doch?!
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Weiß hat Mattpotential - find die Stellung...
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Schwarz kann das Matt nicht verhindern...
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dfuchs
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Re: "Mattpotential" beim Blitzen - schwierig zu entscheiden?

Beitrag von dfuchs » 27.07.2012, 11:41

Erstmal ist der von dir zitierte Abschnitt keine Regel.
In der aktuellen Version der FIDE-Regeln ist Anhang B der Anhang für Blitzschach. Der Blitzschachanhang hat auch nichts mit der Zeitreklamation an sich am Hut. Aber das ist für deine Frage nebensächlich.

In der Praxis ist es wie in der Theorie, wenn der Spieler, dessen Zeit nicht abgelaufen ist, mit einer Serie regelgerechter Züge Matt setzen kann, dann gewinnt er.

Grüße Daniel

Werner
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Re: "Mattpotential" beim Blitzen - schwierig zu entscheiden?

Beitrag von Werner » 27.07.2012, 11:42

lucebike hat geschrieben:Hallo,
meine Regelfrage betrifft Punkt 4. von Anhang C (Blitzschach) der FIDE-Regeln:
Um zu gewinnen, muss ein Spieler das Potential zum Mattsetzen haben. Dies wird definiert als hinreichendes Material, um mit regelgemäßen Zügen, gegebenenfalls mit Hilfe des Gegners, schließlich eine Stellung erreichen zu können, in welcher der Gegner am Zuge ist und nicht verhindern kann, dass er im nächsten Zug matt gesetzt werden kann. Somit sind König und zwei Springer gegen König unzureichend, aber Turm gegen Springer ist ausreichend.
Die Regel ist wohl klar und eindeutig, aber in besonderen Konstellationen (die, zugegebenermaßen, in der Praxis eher rar sein dürften, aber schon mal vorkommen könnten) scheint es mir sehr schwierig zu sein, festzustellen, ob ein Spieler Potential zum Mattsetzen hat:
Was soll das für eine Regel sein?

Sieht aus wie eine uralte, seit langem ungültige Fassung.

lucebike
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Re: "Mattpotential" beim Blitzen - schwierig zu entscheiden?

Beitrag von lucebike » 27.07.2012, 12:07

Tja, so sieht das wohl aus - veraltete Fassung. Hätte ich mal prüfen sollen.
Damit hat sich die Frage dann erledigt. Danke!

gervan
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Re: "Mattpotential" beim Blitzen - schwierig zu entscheiden?

Beitrag von gervan » 27.07.2012, 17:30

Mir entgeht auch ncoh warum eine der beiden Seiten in irgendeiner der Stellungen kein Matpotential haben sollte

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