Forum der Schiedsrichterkommission

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BeitragVerfasst: 04.12.2013, 22:20 
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Folgender Fall:

Mannschaftskampf ohne neutralen Schiedsrichter, Wettkampfleiter ist der MF der Heimmannschaft. Ein Spieler der Gastmannschaft beobachtet, wie sein Gegner den Spielsaal betrifft, mit eingeschaltetem Mobiltelefon in der Hand. Er stellt sich vor das Brett und tippt ca. 10 Sekunden auf dem Gerät herum, bevor er es in die Jacke steckt. Diese Beobachtung meldet der Gästespieler dem Wettkampfleiter. Dieser antwortet sinngemäß, dass sein Spieler wohl nur kurz zu Hause Bescheid sagen wollte, dass es etwas später wird. Irgendeine Entscheidung oder Sanktion trifft bzw. verhängt der Wettkampfleiter nicht und lässt die Partie stattdessen einfach weiterlaufen.

Wie hättet ihr entschieden?


Meine eigene Meinung ist im Übrigen klar: Einzig und allein die Verlusterklärung der Partie für den Spieler mit Mobiltelefon wäre die richtige Entscheidung gewesen.

_________________
Daniel Hendrich

Internationaler Schiedsrichter


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BeitragVerfasst: 04.12.2013, 23:40 
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Registriert: 10.12.2007, 16:41
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Daniel Hendrich hat geschrieben:
Dieser antwortet sinngemäß, dass sein Spieler wohl nur kurz zu Hause Bescheid sagen wollte, dass es etwas später wird. Irgendeine Entscheidung oder Sanktion trifft bzw. verhängt der Wettkampfleiter nicht und lässt die Partie stattdessen einfach weiterlaufen.


Naja, eine Entscheidung hat er doch getroffen, nämlich keine Strafe zu verhängen.
Und das steht durchaus im Einklang mit Artikel 13.4, da für das Telefonieren - anders als fürs Handyklingeln - kein festes Strafmaß vorgesehen ist.


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BeitragVerfasst: 05.12.2013, 09:48 
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Es geht um den sogen. "Handyparagraph":
Zitat:
12.3 b) Ohne Genehmigung des Schiedsrichters ist es dem Spieler untersagt, in das Turnierareal ein Mobiltelefon oder andere elektronische Kommunikationsmittel mitzubringen, sofern diese nicht vollkommen ausgeschaltet sind. Wenn ein derartiges Gerät ein Geräusch verursacht, Verliert der Spieler die Partie. Der Gegner gewinnt. Falls der Gegner allerdings die Partie nicht mit einer beliebigen Folge von regelgemäßen Zügen gewinnen kann, ist sein Ergebnis remis.


Als erstes steht die Frage, ob der SR es genehmigt hat. Das steht hier nicht beschrieben, aber so wie es sich darstellt, ist davon auszugehen. Ansonsten ist es tatsächlich so, dass über eine Strafe der SR entscheidet.
Nun hat es der Spieler benutzt.
12.3. b) soll verhindern, dass keine Störungen stattfinden und keine Betrug möglich ist.
Betrugsabsicht schließe ich hier aus, bleibt die Störung. M.E. gibt es weit größere Störungen als das Schreiben einer SMS. So hat es wohl der MF gesehen.
Wenn man anderer Meinung ist, bleibt in dem Fall nur, den Sachverhalt dem Turnierleiter mitzuteilen.
Gerät man an Daniel Hendrich, ist die Entscheidung klar. Ein anderer sieht es gelassener und entscheidet anders.
Was ich sagen will, man kann es so oder so handhaben.
M.M. nach hätte der Spieler zuvor seinen Gegner informieren müssen. Ansonsten bin ich aber nicht dafür, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Offensichtlich hat diese Sache ansonsten niemand mitbekommen und somit ist auch niemand gestört worden.


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BeitragVerfasst: 05.12.2013, 12:31 
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Beiträge: 357
Ich praktiziere es so:
Bin ich Schiedsrichter in der BL, 2.BL oder in einem anderen "Profi"-Turnier, dann handhabe ich es wie Daniel.
In einem Open oder jeder anderen Veranstaltung, bei der ich offiziell Schiedsrichter bin, verliert, wer am Brett sitzt oder einen Zug gemacht hat und anschließend das Handy bedient. Lieber machen die vor dem Spiel das Handy noch aus, als das es während dem Spiel klingelt. Meine Meinung
Wenn ich nicht als neutraler Schiedsrichter unterwegs bin reagiere ich dann, wenn es stört. Auch hier ist mir es lieber, die Leute schauen auf ein eingeschaltenes Handy und machen es dann aus, als dass es während der Partie piept und ich dann keinen Handlungsspielraum mehr habe.

Das ich das so unterschiedlich praktiziere hat unterschiedliche Gründe, angefangen davon, dass die Protestinstanzen häufig schlechter ausgebildet sind als ich und ich lieber versuche Streitigkeiten, sollte es dazu kommen gleich im Spielsaal endgültig bei zu legen, als dass ich vergleichsweise schlechter ausgebildete Schachfreunde entscheiden lasse. Zum Anderen sind die Intentionen bei eingeschalteten Handies in unterschiedlichen Klassen auch einfach unterschiedlich.

Grüße Daniel


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BeitragVerfasst: 05.12.2013, 14:09 
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Liebe Kollegen,

zu der aufgeworfenen Regelfrage hat mich die Nachricht erreicht, dass dazu ein Protest anhängig ist, über den noch nicht entschieden ist. Es ist nicht Sinn und Zweck dieses Forums, schwebende Verfahren flankierend zu begleiten. Der Respekt vor den zu der Entscheidung über einen eingelegten Rechtsbehelf berufenen Instanzen gebietet es, dass diese ohne Druck von außen ihre Meinung bilden können.

Ich bitte daher, von weiteren Beiträgen zu diesem Thema abzusehen. Ich würde nur ungern Löschungen vornehmen.

Ich hoffe auf Euer Verständnis.

Klaus Deventer


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BeitragVerfasst: 05.12.2013, 21:26 
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admin_1 hat geschrieben:
Der Respekt vor den zu der Entscheidung über einen eingelegten Rechtsbehelf berufenen Instanzen gebietet es, dass diese ohne Druck von außen ihre Meinung bilden können.


Können die wenigen People, die hier was schreiben, wirklich "Druck von außen" ausüben?

Die Frage, ob und wie Telefonieren während einer Partie zu ahnden ist, wird doch nicht zum ersten Male erörtert.

admin_1 hat geschrieben:
Ich bitte daher, von weiteren Beiträgen zu diesem Thema abzusehen. Ich würde nur ungern Löschungen vornehmen.


Wenn das wirklich ein Problem ist, würde ich ja den ganzen Thread löschen oder zumindest bis zu einer rechtskräftigen Entscheidung im konkreten Fall verbergen.


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BeitragVerfasst: 06.12.2013, 09:56 
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Hmm, beim Engangsbeitrag von Daniel Hendrich war nicht von einem schwebenden Verfahren die Rede.
Falls er das wusste, gehört so eine Diskussion nicht ins Forum.


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BeitragVerfasst: 18.01.2014, 20:38 
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In der Hoffnung, nicht zensiert zu werden:

Der Spielleiter hat den Protest abgelehnt. Daraufhin hat der betroffene Verein Widerspruch bei der nächsthöheren Instanz eingelegt. Diese hat in einer Art "Voraburteil" zu erkennen gegeben, dass sie dem Widerspruch nicht stattgeben werde, woraufhin der Verein den Widerspruch dann zurückgezogen hat.

Inhaltlich sage ich zu diesen Entscheidungen nichts, da bestimmte Formulierungen dann mit Sicherheit - und auch zu Recht - der Zensur anheimfallen würden :)

_________________
Daniel Hendrich

Internationaler Schiedsrichter


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BeitragVerfasst: 20.01.2014, 09:20 
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Na, dann ist doch alles klar ...


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BeitragVerfasst: 20.01.2014, 20:28 
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Ich bin der Meinung, dass der Schiedsrichter den Gebrauch des Handys genehmigt hat. Dann liegt nicht einmal ein Regelverstoß vor. Wogegen will man da protestieren?

Ist natürlich unglücklich, dass der Schiedsrichter vom Heimteam gestellt wird. Das ist aber ein Problem des Gesetzgebers, der das zulässt.

Wenn Bayern München Fußball spielt, wird ja auch nicht Franz Beckenbauer zum Schiedsrichter bestellt. :D


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BeitragVerfasst: 21.01.2014, 09:24 
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Werner hat geschrieben:
Ich bin der Meinung, dass der Schiedsrichter den Gebrauch des Handys genehmigt hat. Dann liegt nicht einmal ein Regelverstoß vor. Wogegen will man da protestieren?

M.M. nach darf der SR bei Mannschaftskämpfen (hier also der MF der Heimmannschaft) den Gebrauch eines Handys nicht gestatten.
Es gibt aber Ausnahmen bei Turnieren in unteren Regionen. Da steht das schon in der Ausschreibung oder wird vor Turnierbeginn bekanntgegeben.


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BeitragVerfasst: 22.01.2014, 14:24 
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Es gibt immer die Möglichkeit die Regeln buchstabengetreu oder
sinngemäß auszulegen. Im Laufe der Zeit habe ich gelernt und
für mich entschieden das man bei gewissen Fällen/Regelverstößen
die Kirche im Dorf lassen sollte.
Natürlich wäre der Gebrauch des Handys in einer Partie nicht richtig,
aber gerade in den unteren Spielklassen erlebt man immer wieder eine
Regelunkenntnis wodurch Fehler gemacht werden.

Wir sollten uns die Frage stellen ob uns die Einhaltung sämtlicher Regeln
wichtiger ist als den immer weniger werdenden Spielern auch noch den Rest
der Spielfreude zu nehmen.


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BeitragVerfasst: 22.01.2014, 15:44 
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Wohnort: Rheinhessen
jesre hat geschrieben:
Im Laufe der Zeit habe ich gelernt und
für mich entschieden das man bei gewissen Fällen/Regelverstößen
die Kirche im Dorf lassen sollte.
...
aber gerade in den unteren Spielklassen erlebt man immer wieder eine
Regelunkenntnis wodurch Fehler gemacht werden.

Wir sollten uns die Frage stellen ob uns die Einhaltung sämtlicher Regeln
wichtiger ist als den immer weniger werdenden Spielern auch noch den Rest
der Spielfreude zu nehmen.


Ob die Mobiltelephonregel nun schön oder sinnvoll ist, sei mal dahingestellt. Aber ich finde,
es gibt sie nun mal, und gerade darum sollte sie konsequent durchgesetzt werden, dann
wüßten es nach kurzer Zeit auch alle Regelunkundigen und das Thema würde nicht
immer wieder diskutiert werden. Je mehr in unteren Klassen ein bis zwei Augen zugedrückt
werden, desto mehr Verunsicherung gibt es, was denn nun korrekt ist.
Wem die Regeln nicht klar sind, fühl sich ungerecht behandelt - und das nimmt die
Spielfreude, nicht, daß er das Ding ausschalten bzw. zu Hause lassen muß.

Ich hätte so wie Daniel entschieden, und habe das auch in einem ganz ähnlichen Fall mal getan.


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BeitragVerfasst: 22.01.2014, 16:45 
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Wohnort: Die Nibelungenstadt
Das mit der Spielfreude ist natürlich so eine Sache... Mir geht ebendiese nämlich immer mehr verloren, da ich als - meiner Meinung nach leidlich regelkundiger Spieler - in fast jedem Mannschaftskampf Dinge erlebe, wo der Spaß einfach aufhört. Und wenn man sich dann den bescheidenen Hinweis erlaubt, dass dies oder jenes nicht gerade regelkonform gewesen sei, wird einem beschieden, es wäre doch schließlich "nur Bezirksliga" und man wolle doch "nur Schach spielen". Ich kann mich mit dem Argument einfach nicht anfreunden. Wir spielen doch ALLE nach den FIDE-Regeln. Und nirgendwo in den FIDE-Regeln steht etwas darüber, dass diese ab einer bestimmten Spielklasse abwärts nicht mehr oder nur noch eingeschränkt gelten. Im Fußball gibt es schließlich auch in der Kreisklasse Handspiel und Abseits, da käme auch niemand auf die Idee zu sagen, man probiert es mal ohne die Regeln.

Aber vielleicht ist es ja auch meine eigene Schuld, da ich es spielerisch nicht bis in die Ligen mit neutralen Schiedsrichtern gebracht habe?! :mrgreen:

_________________
Daniel Hendrich

Internationaler Schiedsrichter


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BeitragVerfasst: 22.01.2014, 17:44 
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Wohnort: Rheinhessen
Daniel Hendrich hat geschrieben:
Und wenn man sich dann den bescheidenen Hinweis erlaubt, dass dies oder jenes nicht gerade regelkonform gewesen sei, wird einem beschieden, es wäre doch schließlich "nur Bezirksliga" und man wolle doch "nur Schach spielen". Ich kann mich mit dem Argument einfach nicht anfreunden. Wir spielen doch ALLE nach den FIDE-Regeln. Und nirgendwo in den FIDE-Regeln steht etwas darüber, dass diese ab einer bestimmten Spielklasse abwärts nicht mehr oder nur noch eingeschränkt gelten.


Nicht die FIDE-Regeln, leider unterstützen viele Spielordnungen aber genau dies. So ist z.B. die Ordnung meines Bezirks deutlich lockerer als die des Landsverbandes, die wiederum etwas lockerer als die der Oberliga ist ... so entsteht der Eindruck, weiter "unten" gelten die Regeln weniger..


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