Neue Bundesligabedenkzeit...

Werner
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Re: Neue Bundesligabedenkzeit...

Beitrag von Werner » 12.08.2008, 00:28

[quote="hoppepit"][quote="Eckart"]Ich möchte den Schiedsrichter sehen, der die Courage hat, einen Spieler, der einen Zug ausführen möchte, obwohl er seinen vorhergehenden Zug noch nicht aufgeschrieben hat, an der Ausführung dieses Zuges zu hindern, und so die ZÜ herbeiführt.[/quote]
Ich würde das nicht als Courage, sondern als Plichtbewußtsein bezeichnen! Und ich denke, von mir behaupten zu können, ein sehr korrekter Mensch zu sein.[/quote]

Courage und Pflichtbewusstsein schließen nicht notwendigerweise einander aus. Leider weiss ich aus eigener Erfahrung als Spieler, dass die Schiris darauf häufig nicht achten.

Holger Moritz
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Beitrag von Holger Moritz » 13.08.2008, 11:01

Ich empfinde es nicht als gute Idee, milde einen Zeitabzug zu verhängen und dann lächelnd eine dadurch hervorgerufene ZÜ festzustellen. Wenn das Fehlverhalten so gravierend ist, dass eine 0 angemessen ist, mach ich das direkt. Wenn nicht denke ich lieber darüber nach, dass das nichtmitschreiben ja dem Gegner Zeit raubt (eben die Zeit, die ich sonst zum notieren benötige) und strafe daher mit einer Gutschrift beim Gegner. Vielleicht beim ersten mal sogar nur eine Verwarnung, ist ja nach unseren Regeln auch schon eine Strafe. Für beides braucht man viel weniger von seinem Couragevorrat auf - und dem Vergehen entsprechend verhältnismäßiger ist es auch. Und wenn der Spieler entweder

- nicht schreibt, obwohl ich ihn aufgefordert habe oder

- sich dieses Aufschreiben auf meine Aufforderung mehrfach wiederholt,

dann bekommt er seine gewünschte Null wegen fortdauernder Weigerung gerne.

Werner
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Beitrag von Werner » 13.08.2008, 14:56

In dem von Eckart erwähnten Sachverhalt ging es nicht darum, wie [u]nach[/u] einem vollendeten Verstoß gegen Artikel 8.1

"Er muss seinen eigenen vorangegangenen Zug aufzeichnen, bevor er einen neuen macht."

zu verfahren ist, sondern ob der Schiedsrichter den Spieler just in dem Moment, in dem er diesen Regelverstoß begeht - er berührt eine Figur, in der Absicht diese zu ziehen - davon abhält.

Bei weiland Willi Knebel habe ich selbst gesehen, wie dieser mit der Hand dazwischenfuhr und dem Spieler sagte: "Sie müssen erst Ihren vorigen Zug aufschreiben."
Im Sinne einer strikten Einhaltung der Schachregeln ist das sicherlich richtig.
Wenn so etwas nun bei einer Restbedenkzeit von 1 oder 2 Sekunden passiert - und nur im Aufschubmodus dauert bei derartiger Zeitnot die Schreibpflicht fort -, würde der betreffende Spieler unweigerlich die Zeit überschreiten.


Im übrigen stimme ich zu:
Die Verhängung einer Zeitstrafe darf niemals zu sofortiger ZÜ führen.
Das kommt auch in Art. 9.5 b) zum Ausdruck.

Da andererseits schon die Überschreitung der Bedenkzeit nur um den Bruchteil einer Sekunde zur ZÜ führt, würde ich bereits beim ersten Verstoß dem Gegner eine Zeitgutschrift von zwei Minuten gewähren und es nicht bei einer bloßen Verwarnung belassen.

Martin
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Beitrag von Martin » 21.08.2008, 23:41

Eckart hat Folgendes geschrieben:
Sobald die Grundbedenkzeit aufgebraucht ist und der oder die Spieler nur noch vom Zeitzuschlag leben, wird der Anreiz größer, einen Zug auf dem Brett auszuführen, obwohl der eigene vorhergehende Zug noch nicht notiert ist.
Ich wurde heute mit Partieverlust bestraft. Ich hatte noch gut zehn Züge bis zum 40. Zug zu spielen und lebte von meinem Bonus, hatte also immer so um die maximal ein oder zwei Minuten auf meiner Uhr, meine Gegnerin noch zehn oder elf.
Ich hatte ihren letzten Zug beantwortet, ohne ihn vorher aufzuschreiben. Nun dachte sie nach, und währenddessen kam die Hand eines eifrigen Schiedsrichters (Uwe Bade), der hinter mir stand, hielt die Uhr meiner Gegnerin an, um mich im Polizeiton und mit der Aussprache einer Verwarnung zu ermahnen, mitzuschreiben. Ich war mir keines Regelverstoßes bewußt, bin in über zweihundert Turnieren, die ich schon bestritten habe, noch nicht verwarnt worden und hatte dazu meines Wissens auch keinen Anlaß geboten. Ich notierte nun das letzte Zugpaar und wies den Schiedsrichter darauf hin, daß er meines Erachtens zu Unrecht interveniere und damit mich, meine Gegnerin und überhaupt die Partie erheblich störe. Das ging wohl über seine Hutschnur und er sprach eine zweite Verwarnung aus. Ich sagte, er könne mich so viel verwarnen, wie er wolle, aber meiner Meinung nach sei er im Irrtum. Daraufhin stellte er die Uhr ab und gab die Partie als für mich verloren (Newrkla-Gebigke). Ich war und bin fassungslos.

Es stellte sich anschließend heraus, daß es eine Regelerweiterung gibt, was elektronische Uhren betrifft, zumindest legte man mir ein Heft vor, wo ein Artikel sagt, daß im Modus mit 30 Bonussekunden pro Zug in der Blitzphase unter fünf Minuten (und interessanterweise offenbar auch NUR dann) der vorangegangene gegnerische Zug aufgeschrieben werden müsse, bevor man seinen eigenen abschließt. Mir war nur eine Regel bekannt, die da lautet, man könne, sofern man es wünsche, den Zug des Gegners erwidern. Gilt aber offenbar nicht für die unter-fünf-Minuten-Phase bei Partien mit 30sek-Bonus-Modus.

Habt ihr das gewußt? Eckart? Aber welchen Sinn hat denn solch eine Ausnahmeregelung?

In dieser Hinsicht war ich vielleicht tatsächlich einen Halbzug im Rückstand. Aber diese Regel war mir neu, weil ich im Internet meistens auf der Seite der SF Katernberg (Will Knebel) in den Regeln nachgelesen habe, und da stand das nicht drin.

Aber Freunde, unabhängig davon entscheidet man doch nicht auf Partieverlust! Das erinnert ja vom Gehabe her wirklich an finsterste Zeiten. Ich sollte sogar den Turniersaal verlassen. Ich bin mal neugierig, ob ich für morgen überhaupt noch mit ausgelost werde.

Mal abgesehen davon hatte meine junge Gegnerin bis zuletzt phantastisch gespielt und einen beträchtlichen Vorteil errungen. Aber ich glaube auch nicht, daß dies die Art war, auf die sie schließlich den Sieg davontragen wollte.

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Überzogene Leistung

Beitrag von thomas.soergel » 22.08.2008, 00:03

Martin hat geschrieben: Aber Freunde, unabhängig davon entscheidet man doch nicht auf Partieverlust!
Mal abgesehen davon hatte meine junge Gegnerin bis zuletzt phantastisch gespielt und einen beträchtlichen Vorteil errungen. Aber ich glaube auch nicht, daß dies die Art war, auf die sie schließlich den Sieg davontragen wollte.
Zunächst einmal, der SR hatte recht, in Art. 8.4 a ist dies klar beschrieben und diese Regel gibt es bereits seit dem 1.7.2005. Nur werden Digitaluhren und damit auch der Fischer-Modus jetzt wohl häufiger verwendet.
Es hätte dem SR gut angestanden, dies mit einem Regelheft greifbar zu begründen, ich nehme mal an, es handelte sich hier um ein Open, wo nicht nur Titelträger mitspielen.
Ich hätte gesagt "Die Regeln sind so, ich kann Sie Ihnen nach der Partie gerne zeigen."
Abgesehen davon, dass so der mögliche Sieg der Gegnerin diskreditiert wurde.
Allerdings, Deine Äußerung "Sie können mich verwarnen, so oft sie wollen" kann durchaus als Weigerung aufgefasst werden, die Schachregeln zu befolgen.
Allerdings, ein SR sollte es eigentlich vermeiden, dass Partien nicht auf normalem Weg entschieden werden.
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Beitrag von Eckart » 22.08.2008, 02:41

Nein, der Schiedsrichter hatte nicht Recht.

Mich machen Martins Schilderung und noch mehr thomas.soergels Stellungnahme dazu ein wenig ratlos.

Wenn Artikel 8.4 Satz 2 besagt
"Dies gilt nicht, wenn er pro Zug mindestens 30 zusätzliche Sekunden zu seiner Bedenkzeit hinzugefügt bekommt.",
so bezieht sich das "Dies" auf den Satz 1 von Artikel 8.4, mit anderen Worten:

obwohl der Spieler weniger als fünf Minuten Bedenkzeit hat, muss er trotzdem Artikel 8.1 beachten, insbesondere seinen eigenen vorangegangenen Zug aufzeichnen, bevor er einen neuen macht.

(Und es kommt darauf an, dass mit zusätzlicher Bedenkzeit pro Zug gespielt wird, nicht allein auf die Verwendung elektronischer Uhren, denn diese kann man auch zu Partien mit "herkömmlichen" Bedenkzeiten - soll heißen: ohne Increment - verwenden.)

Eine Verpflichtung, auch den unmittelbar vorhergehenden Zug des Gegners zu notieren, bevor man seinen eigenen nächsten Zug ausführt, ergibt sich daraus keinesfalls.

Einen Absatz 8.4 b), der in einigen gedruckten Versionen von FIDE-Regeln noch zu lesen ist:

"Sobald ein Spieler weniger als fünf Minuten Restbedenkzeit hat und mindestens 30 zusätzliche Sekunden zu seiner Restbedenkzeit für jeden Zug hinzugefügt werden, müssen beide Spieler jeweils den gegnerischen Zug aufschreiben, bevor sie ihren eigenen Zug abschließen dürfen."

gibt es tatsächlich NICHT. Er ist auch in den aktuell verfügbaren Versionen (Downloads) bei DSB und FIDE nicht enthalten. Nach dem FIDE-Kongress 2004 ist diese ursprünglich vorgesehene Regelung ersatzlos gestrichen worden, bevor sie in Kraft treten konnte. Darauf ist bei dem Schiedsrichterlehrgang, an dem ich teilgenommen habe, ausdrücklich hingewiesen worden. Wer das nachlesen möchte, sei auf die Veröffentlichung in ROCHADE EUROPA April 2005, Seite 86, hingewiesen.

Mir scheint, dem SR Bade ist das nicht bekannt.

Ist dieser Schiedsrichter in der kommenden Saison für Einsätze in der 1. Bundesliga vorgesehen?
Er ist.

Ist er gar nominiert worden, um bei der Schacholympiade in Dresden nicht existierende "Regeln" gegenüber Spitzenspielern aus aller Welt durchzusetzen?
Ich weiß es nicht.

Vielleicht sollte man ihn auf die aktuelle Rechtslage hinweisen.
(Tipp an Klaus D. oder Jürgen K., falls sie das hier lesen.)

Holger Moritz
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Beitrag von Holger Moritz » 22.08.2008, 07:42

Eckart hat geschrieben:gibt es tatsächlich NICHT.

Leider ist die richtige Formulierung "NICHT mehr". Diese Regel war von der zuständigen Kommission geschaffen worden, war wohl auch kurzfristig in Kraft und ist dann nach dem Druck der ersten Auflage der deutschsprachigen FIDE Regeln von einer höheren Instanz (kenne mich in den FIDE Gremien nicht so aus) wieder gekippt worden. Daher auch der Hinweis, dass der SR ein Heft vorlegen konnte mit dieser nicht mehr gültigen Regel. Wenn ich mich recht erinnere waren da noch zwei oder drei kleine Änderungen, die aber nicht so gefährlich sind.
Halbherzigkeit - einerseits der löbliche Entschluß, nur noch alle 4 Jahre an den Regeln herumzuwerkeln, andererseits die Erkenntnis, dass auch neue Dinge Fehler sein können (welcher Schachspieler kennt dieses deprimierende Gefühl nicht) und dann die fehlende Traute, sich dazu deutlich zu bekennen. Diese Revision ist nicht klar erkenntlich, als Regelkorrektur zu einem nicht zu erwartenden Zeitpunkt sollte das sogar besonders deutlich angemerkt sein sollen: "Hey Leute, ihr könnt da nicht mit rechnen, aber wir mussten leider doch noch was ändern, guckt bitte in Art. 8 genauer nach!" Beide Versionen sind auch in gleicher Form mit gleichem In-Kraft-Treten Datum ohne jede Warnung in Umlauf gekommen - nicht als FIDE Regeln, Stand 1.7.2005 mit den Änderungen vom xy.09.2005 oder so. Und - unsere Fortbildungen sind alle 5 Jahre, wenn da die entstehende Schwebung bei diesem Kollegen eine unpassende Phase hatte kann man nur feststellen, dass er das ihm zugekommene, offizielle und zu dem Zeitpunkt gültige Heft gut und intensiv studiert hat und sich an die von ihm erkannte Regeländerung hielt. Richtig dumm gelaufen und keiner hat wirklich viel falsch gemacht dabei. Mit ist das auch nur aufgefallen, weil ich ein wenig schlamperiger bin und regelmäßig TL und RSR Kurse mache - da besorg ich mir dann regelmäßig ein frisches Heft weil ich das alte grad mal wieder nicht find' und guck da rein.
Können wir für die Zukunft was daraus lernen? 2009 ist nicht mehr weit ;-)

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Korrektur

Beitrag von thomas.soergel » 22.08.2008, 07:51

Eckart hat geschrieben:Eine Verpflichtung, auch den unmittelbar vorhergehenden Zug des Gegners zu notieren, bevor man seinen eigenen nächsten Zug ausführt, ergibt sich daraus keinesfalls.
In dem Punkt muss ich Eckart Recht geben. Martin hatte zwar nach Art. 8.4 permanent Schreibpflicht, aber Art. 8.1 sagt klar, dass nur zumindest der eigene Zug notiert sein muss, wenn man sofort ziehen will.
Der letzte Stand der FIDE-Regeln ist der vom 01.07.2005, diese sind überall verbreitet. Es kann ja wohl nicht sein, dass es auf einmal irgendwelche Zusatzverordnungen gibt, die nur einem kleinen Zirkel bekannt sind.
Insofern handelt es sich bei der Verwarnung tatsächlich um eine Fehlentscheidung, die Verwarnung wäre nur bei einer Weigerung von Martin, generell nicht zu schreiben, OK gewesen.
Das Problem in der Partie war, dass Martin die Autorität des SR angegriffen hat. Die korrekte Vorgehensweise wäre gewesen, den Zug der Gegnerin zu notieren und anschließend Protest einzulegen.
Ein Turniergericht wird es ja wohl geben, dass den SR dann entsprechend rüffelt.
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Beitrag von Georg Heinze » 22.08.2008, 08:12

Meine Meinung: Der SR hat auf den Vorfall unangemessen reagiert, aber Martin hat sich auch zumindest im Ton vergriffen.
Wenn mich ein SR auf die Schreibpflicht hinweist, muss ich wohl davon ausgehen, dass er Recht hat - auch wenn es nicht so sein sollte. Da helfen auch 200 gespielte Turniere nicht weiter. Wenn ich dem nicht nachkomme und völlig unangemessene Äußerungen tue, beleidige ich den SR und dann kann es schon passieren, dass er "ausrastet".
Schließlich hatte der SR im guten Glauben gehandelt, eine aktuelle Version der FIDE-Regeln in der Hand zu halten.

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Beitrag von Eckart » 22.08.2008, 14:12

Holger Moritz hat geschrieben:
Eckart hat geschrieben:gibt es tatsächlich NICHT.

Leider ist die richtige Formulierung "NICHT mehr". Diese Regel war von der zuständigen Kommission geschaffen worden, war wohl auch kurzfristig in Kraft und ist dann nach dem Druck der ersten Auflage der deutschsprachigen FIDE Regeln von einer höheren Instanz (kenne mich in den FIDE Gremien nicht so aus) wieder gekippt worden.
Nein, meine Formulierung ist richtig, die Regel hat zu keinem Zeitpunkt gegolten. Sie wurde schon VOR dem Inkrafttreten der übrigen Regeländerungen (01.07.2005) gekippt, deswegen konnte IA Rolf Mäser bereits in der April-Ausgabe der ROCHADE 2005 darüber berichten.

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Beitrag von Eckart » 22.08.2008, 14:23

Georg Heinze hat geschrieben:Meine Meinung: Der SR hat auf den Vorfall unangemessen reagiert, aber Martin hat sich auch zumindest im Ton vergriffen.
Der SR hat nicht unangemessen, sondern falsch reagiert.
Georg Heinze hat geschrieben:Wenn mich ein SR auf die Schreibpflicht hinweist, muss ich wohl davon ausgehen, dass er Recht hat - auch wenn es nicht so sein sollte.
Der von Martin geschilderte Sachverhalt beweist das Gegenteil.
Georg Heinze hat geschrieben:Wenn ich dem nicht nachkomme und völlig unangemessene Äußerungen tue, beleidige ich den SR und dann kann es schon passieren, dass er "ausrastet".
Ein Hinweis auf die geltende Rechtslage ist keine Beleidigung. Und "Ausrasten" darf ein Schiedsrichter schon gar nicht.
Weder die Verwarnungen noch die Verlusterklärung waren begründet.

Georg Heinze
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Beitrag von Georg Heinze » 22.08.2008, 14:47

Ach, wie schön, dass Eckart alles weiß und alles richtig macht!
Ich habe meine Meinung zur Sache geäußert und Eckart seine.
Ich bleibe dabei: wenn ich als SR jemanden auffordere, mitzuschreiben und er das trotzdem nicht tut, dann gibt es eine Verwarnung. Alles, was danach passierte, ist wohl dem gegenseitigen "Hochschaukeln" geschuldet.
Wenn der SR noch etwas "schwarz auf weiß" in der Hand hatte, hat er danach gehandelt. Jedenfalls war auch Martin sich seiner Sache nicht so sicher, er glaubte es nur. Falls er sich unrecht behandelt fühlte, hätte er beim Turniergericht protestieren müssen. Eine Äußerung wie "Sie können mich so oft verwarnen wie Sie wollen" ist jedenfalls völlig deplatziert.
Wohlgemerkt, ich billige das Verhalten des SR keinesfalls, er glaubte aber, eine regelgerechte Entscheidung zu fällen und da muss ich auch als Spieler angemessen reagieren.
Natürlich ist es aus der Ferne und mit genauerer Kenntnis dessen, was damals "verzapft" oder nicht "verzapft" wurde, heutzutage leicht über einen SR herzuziehen.

Martin
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Beitrag von Martin » 22.08.2008, 15:41

Folgende Erwiderung auf Georg Heinze schrieb ich, während Eckart bereits als Fürsprecher "eingesprungen" war. Ich finde dabei den letzten Seitenhieb auf Eckart
Ach, wie schön, dass Eckart alles weiß und alles richtig macht!
absolut unpassend.

Hier also meine Antwort auf Georg. Ich hoffe, er hat anschließend nicht auch noch für mich solche Liebenswürdigkeiten zur Hand.
Meine Meinung: Der SR hat auf den Vorfall...
Wie Georg Heinze durch die vorangegangenen Wortmeldungen feststellen konnte, gab es keinen "Vorfall". Ein Vorfall ergab sich erst durch das im Charakter aggressive, unberechtigte und störende Eingreifen von Uwe Bade.
...unangemessen reagiert, aber Martin hat sich auch zumindest im Ton vergriffen.
Im Ton vergriffen? Saß Georg Heinze während der Partie neben mir? Hat er nächtlich noch schnell mit Uwe Bade telefoniert und beruft sich jetzt auf dessen Version?
Wenn mich ein SR auf die Schreibpflicht hinweist, muss ich wohl davon ausgehen, dass er Recht hat - auch wenn es nicht so sein sollte.
Ich habe schon öfter beobachtet, daß übereifrige Spieler (in eigenen Partien) als auch Schiedsrichter (ich als Beobachter) zu Unrecht fehlendes Mitschreiben reklamierten, obwohl nur regelkonform auf den unmittelbar letzten Zug direkt reagiert worden war, und das auch in Partien ohne increment. Mit dieser Erfahrung im Hinterkopf hatte ich einigen Grund davon auszugehen, daß es sich erneut um genau denselben Schiedsrichterirrtum handelt.
Da helfen auch 200 gespielte Turniere nicht weiter.
Ich habe die Anzahl meiner gespielten Turniere nicht erwähnt, um mir den Status der Unfehlbarkeit zu verleihen. Es gibt sicher auch einige sehr aktive Turnierschachspieler, die noch nie in die Schachregeln geschaut haben. Diese meine Anmerkung sollte im Zusammenhang mit der völligen Abwesenheit von Verwarnungen lediglich als Indiz dafür herhalten, daß ich über einige praktische Erfahrung verfüge, was Turnierschach und das Einhalten von Regeln verfüge, wofür auch mein aktives Regelinteresse spricht, das von meiner Präsenz auf dieser phantastisch funktionierenden Seite belegt wird.
Wenn ich dem nicht nachkomme...

Hallo? Bitte noch mal meine Situationsschilderung von gestern abend lesen. Ich habe die Züge sofort gehorsam notiert, obwohl ich das noch später hätte machen können, jedenfalls nur, bevor ich meinen nächsten Zug ausführe.
...und völlig unangemessene Äußerungen tue,...
Völlig unangemessen? Lieber Georg Heinze, alles was ich verbrochen habe, war, den Schiedsrichter auf seine - wie sich inzwischen herausstellt - Fehleinschätzung aufmerksam zu machen. Auch SR sind Menschen, und Menschen sind nun mal prizipiell zu Fehlern fähig. Meine Äußerungen waren weder "völlig" noch "unangemessen". Und selbst wenn ich im Unrecht gewesen wäre bei einer vergleichsweisen Bagatelle wie dem Mitschreiben eines Halbzuges, hätte der SR das sicher klären können z.B. auf eine Art, wie sie Thomas Soergel vorgeschlagen hat.
...beleidige ich den SR...
Beleidigen? Weil ich seine Unfehlbarkeit in Frage stelle? Hmm...
...und dann kann es schon passieren, dass er "ausrastet".
Wäre ich Schiedsrichter, wäre für mich Regel Nr.1, alle Situationen ruhig und ausgeglichen zu bearbeiten. Ein Ausrasten käme nicht in Frage. Das wäre etwas, was auf gar keinen Falle passieren dürfte. Insbesondere auf Partieverlust zu entscheiden ist das allerallerallerletzte Mittel, was ein SR anwenden sollte. Es geht nicht nur um eine Partie, es geht auch um das ganze Turnier, einen Urlaub, den man sich vielleicht genommen hat, um mögliches Preisgeld, das einem durch die Lappen geht, aber in erster Linie um einen sauberen Sport und ein liebgewordenes Hobby, das einem schwer vergällt wird. Wenn man auf Partieverlust entscheidet, weil man sich als Schiedsrichter beleidigt fühlt, ist man einfach fehl am Platze. Dann macht man diesen Job offensichtlich zu einem beträchtlichen Anteil nur aus dem Grunde, weil man es liebt, autoritär Gewalt ausüben zu können. Es ging um das Mitschreiben eines Halbzuges... Damit ist ein Grundvertrauen tief gestört, zumal Martin Sebastian, der verantwortlich ist für mein in diesem Forum beim letzten Mal geschildertes Problem, der zweite SR im Turnier ist.
Schließlich hatte der SR in gutem Glauben gehandelt, eine aktuelle Version der FIDE-Regeln in der Hand zu halten.
Das ist tatsächlich das Einzige, was man ihm zugute halten kann. Wenn er nicht gerade den Anspruch hätte, zu den führenden SR-Köpfen zu zählen. Aber mich anschließend aus dem Turniersaal weisen zu wollen? Noch nicht einmal das Gespräch zu suchen und nicht auf Fragen einzugehen? Ich mußte mich fühlen wie Azmaiparashvili, der einst bei der Siegerehrung der Schacholympiade im Interesse der Veranstaltung auf eine vergessene Sonderehrung hinweisen wollte und von einem Ordnungshüter massiv daran gehindert wurde. Der Vergleich hinkt zwar ordentlich, zumal ich Azmaiparashvili aufgrund dessen, was ich in der Vergangenheit über ihn bereits gelesen habe, nicht gerade vergöttere, aber der innere Aufruhr ist vermutlich in gewisser Weise vergleichbar.

Georg Heinze
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Beitrag von Georg Heinze » 22.08.2008, 16:27

Nochmals zur Sache:
Ich halte nichts davon, SR-Schelte zu verteilen, wenn man nicht dabei war bzw. die Sachlage nicht genau kennt.
Wichtig und interessant wäre ja eine Aussage des SR hierzu.
Zunächst gehe ich aber davon aus, dass jeder SR versucht, seiner Aufgabe gerecht zu werden. Ich kenne Uwe Bade nicht persönlich, weiß aber, dass er schon seit Jahren einen ordentlichen Job macht. Sonst wäre er wohl kaum BL-SR geworden.
Wenn er hier falsch gehandelt hat, dann hat er eben auch mal einen Fehler gemacht. Wenn Eckart von sich behaupten kann, dass er noch nie eine fehlerhafte Entscheidung getroffen hat, dann ist es ja gut.
Was hat Uwe Bade nun Schlimmes getan? Er hat verlangt, dass mitgeschrieben wird. Ob nun den letzten Halbzug oder mehr oder weniger, da glaubte er, eine Unterlage in der Hand zu halten, auf die er sich beruft. Wenn ich der Schreibpflicht Folge leiste, wäre ja alles gut gewesen. Wenn ich anderer Meinung als der SR bin ... das wurde hier bereits geschrieben.
Aber eine Äußerung wie "Sie können mich ermahnen so oft Sie wollen" und sich dabei dieses oder jenes denken, halte ich weiterhin für unangemessen.
Was allerdings danach passierte und insofern gebe ich Martin und Eckart Recht, war eine überzogene und auch in meinen Augen falsche Reaktion des SR. Ein Partieverlust oder auch die Androhung, den Saal verlassen zu müssen, stehen in keinem Verhältnis zur Situation.

Holger Moritz
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Beitrag von Holger Moritz » 22.08.2008, 16:59

Auch ich war ja nicht dabei, weiß also nicht, wer wie aufgetreten ist. Möchte aber schon zu bedenken geben, dass ein SR auch die Aufgabe hat, eine Autorität für die Partie und das Turnier zu sein - das ist sein Amt und seine Aufgabe. Mir ist auf jeden Fall keine Sportart bekannt, in der die Beleidigung des SR nicht eine rote Karte nach sich zieht. Insofern ist das hier: "Wenn man auf Partieverlust entscheidet, weil man sich als Schiedsrichter beleidigt fühlt, ist man einfach fehl am Platze." nicht ganz richtig. Eine Frage ist natürlich, ob man sich bei allem und jedem beleidigt fühlen sollte.

Aber ich habe das Gefühl, darum ging es nicht sondern um die Anzweiflung der Aufgabe,

FIDE 13.3 Der Schiedsrichter beobachtet die Partien, besonders in der Zeitnotphase, setzt Entscheidungen, die er getroffen hat, durch ...

Er hat entschieden (falsch, leider, aber das kommt vor), der Spieler kritisiert das, der SR beharrt auf seiner Entscheidung. Bis hierhin ist das noch weitgehend in Ordnung. Der Spieler insistiert weiter. Da wird es problematisch, denn das untergräbt einmal das Amt des SR, schafft Unruhe im Turniersaal und führt auch in der Regel zu nichts - ein Argument, dass den SR beim ersten Vorbringen (durchaus OK) nicht umstimmt wird es auch später nicht erreichen. Wie man als SR damit umgeht ist unterschiedlich, hängt auch ein wenig von der Situation ab. Wenn möglich, verlasse ich den Ort des Geschehens. Wenn der Spieler mit mir diskutieren will, kann er mir folgen und das tun, dann aber eben automatisch in einem anderen Rahmen. Die Entscheidung steht aber, dafür bin ich schließlich da. Wenn das nicht geht - liest sich nach einem Open, wo der SR auch noch andere Partien zu begucken hat - dann muss ich die Diskussion abwürgen. "Ich habe meine Entscheidung getroffen, wenn Sie damit nicht einverstanden sind, rufen Sie das Turniergericht an." Ganz kritisch ist es allerdings, als Spieler anzudeuten, man würde dem SR nur 'gehorchen', wenn der Spieler selber meint, das der SR im Recht ist. So würde ich dieses "verwarnen, so oft sie wollen" schon interpretieren. Das kann ich mir in der Tat nicht gefallen lassen. Ob ein Partieverlust dann sein muss - hängt einfach von zu vielen Dingen vor Ort ab, da kann ich weder Martin noch Uwe Bade was ankreiden oder einen verteidigen. Aber zumindest ein ernsteres Wörtchen ist dann fällig - Uhr anhalten, formal auftreten "Ich habe als SR die Aufgabe, diese Partie und dieses Turnier zu leiten, Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen. Abends beim Bier können wir über alles reden, jetzt nicht. Entweder Sie akzeptieren jetzt den Rahmen dieses Turnieres und unserer beider Rollen und spielen nach meinen Entscheidungen weiter oder wir können hier nicht mehr miteinander. Dieses ist eine formelle Verwarnung, eine weitere wird es nicht mehr geben." Oder so ähnlich. Mag ich auch nicht, aber sowohl der Spieler als auch ich haben mit der Teilnahme an diesem Turnier unsere gegenseitigen Rollen bekommen und akzeptiert und müssen diese dann erfüllen. Rolle des SR ist, zu entscheiden und sich durchzusetzen - das mag man autoritär nennen - Rolle des Spielers ist, sich daran zu halten - oder an der richtigen Stelle Protest einzulegen.

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