Forum der Schiedsrichterkommission

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BeitragVerfasst: 09.03.2014, 23:24 
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Darf man eigentlich 2 oder mehr Turnierpartien gleichzeitig spielen?

zum Beispiel: Mannschaftskampf und Dähnepokal oder Dähnepokal und 4er Pokal
In den Turnierordnungen steht, wenn ich das sehe, nichts drin?

Wenn der Gegner bzw. die Gegner einverstanden ist/sind, sollte es kein Problem sein. Aber wenn einer der Gegner ablehnt?

Beispiel: Ich lade am 1.4. meinen Gegner zur Partie im Dähnepokal ein, ohne etwas zu sagen, dass an diesem Wochenende auch eine Begegnung zweier Mannschaften im 4er-Pokal ist!
Am Turniertag erfahren dann beide Spieler dass Sie gegen mich gleichzeitig spielen sollen.

Wenn jetzt einer der beiden ablehnt, dass ich zwei Partien gleichzeitig spiele? Was dann? Ist dann eine Partie kampflos? Neuer Termin?

In den Fideregeln steht auch nicht drin, wieviel Partien man spielen darf!

Was sagt ihr dazu?

Gruß
Alexander


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BeitragVerfasst: 10.03.2014, 12:07 
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Beiträge: 357
Als Turnierleiter würde ich dir für beide Partien eine 0 geben (es sei denn du spielst nur tatsächlich eine und die andere ist kampflos).
Es gibt mehrere Regeln, auf denen ich das Gründen könnte.
Die wichtigste ist aber die nicht explizit existierende, dass es einfach unsportlich ist, einem Gegner nur die halbe Aufmerksamkeit zu widmen.
Begründen würde ich es mit den FIDE-Regeln: 12.3 sagt, dass du nicht auf einem Schachbrett analysieren darfst. Wenn du aber an zwei Brettern gleichzeitig spielst kannst du gar nicht verhindern, dass du dir an dem einen Brett Ideen auch für das andere Brett holst. Ergo geht nicht.
Da du auch Schiedsrichter bist, würde ich dich noch an C.05.12 a) des FIDE-Handbuchs erinnern. Als Schiedsrichter mit Vorbildfunktion in Sachen fair play, wirst du dich sicher daran halten, auch wenn es nicht explizit Teil der Turnierleitung ist, oder?

Grüße Daniel


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BeitragVerfasst: 10.03.2014, 13:53 
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Registriert: 20.11.2011, 22:48
Beiträge: 41
Zitat:
Als Turnierleiter würde ich dir für beide Partien eine 0 geben

Deine Meinung ist zwar gut gemeint, würde einem Protest aber sicher nicht standhalten.
Wenn Du als Turnierleiter eine Partie „nullen“ willst, o.k., aber beide ist definitiv
falsch, da ja eine Partie unter normalen Bedingungen gespielt würde.

Zitat:
Die wichtigste ist aber die nicht explizit existierende, dass es einfach unsportlich ist

Wieso ist es unsportlich einem Gegner nicht die volle Aufmerksamkeit zu schenken ?
Dies liegt ganz und gar in meinem Ermessen. Ich kann, wenn ich will, einen Zug machen
dann mich wieder vom Brett entfernen und so weiter.
Bestrafen wegen einer nicht existierenden Regel geht doch schon mal gar nicht.

Zitat:
Wenn du aber an zwei Brettern gleichzeitig spielst kannst du gar nicht verhindern, dass du dir an dem einen Brett Ideen auch für das andere Brett holst.

Die Sache mit dem analysieren hast Du Dir jetzt aber ausgedacht, nicht wahr ?

Was willst Du denn bei einem Mannschaftskampf machen, wenn zwei Spieler die gleiche
Eröffnung spielen ? Auch hier wäre es möglich sich Ideen zu holen. Eingreifen kannst Du als Schiedsrichter nur,
wenn deutlich ersichtlich ist dass die Spieler dieselbe Partie spielen würden. Dann kannst Du Sie evtl.
etwas räumlich von einander trennen.

Aber nun zu der eigentlichen Frage:
Zitat:
Darf man eigentlich 2 oder mehr Turnierpartien gleichzeitig spielen?

In vielen Turnierordnungen wird ein sogenanntes „Doppelspiel“ definiert.
Im Schachbund NRW z.B. mit
BTO 3.4
Kein Spieler darf für zwei oder mehr offizielle Mannschaftskämpfe nominiert werden,
deren angesetzter Wettkampfbeginn auf denselben Kalendertag fällt, sofern
der Spielplan eines Turniers nichts anderes vorsieht.

Die Definition ob der Dähne Pokal als Privatturnier oder als offizieller Termin
anzusehen ist, bleibt im Ermessen des zuständigen Turnierleiters.

Es würde es mich wundern wenn ein Gegner sich weigern würde. Schließlich
schadet man sich doch nur selbst wegen des Zeitverbrauchs. Aber ein kampfloses
Ergebnis käme hier doch sicher auch nicht in Betracht. Mit welcher Begründung kl ?

Gruß Jesre


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BeitragVerfasst: 10.03.2014, 14:24 
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Registriert: 22.10.2007, 01:00
Beiträge: 309
dfuchs hat geschrieben:
Die wichtigste ist aber die nicht explizit existierende, dass es einfach unsportlich ist, einem Gegner nur die halbe Aufmerksamkeit zu widmen.


Das ist Quark, wenn ich will, verbringe ich die Hälfte meiner Bedenkzeit im Verpflegungsbereich oder auf Klo. Einen Anspruch darauf, dass ich ihm "meine volle Aufmerksamkeit widme", hat der Gegner nicht.

dfuchs hat geschrieben:
Begründen würde ich es mit den FIDE-Regeln: 12.3 sagt, dass du nicht auf einem Schachbrett analysieren darfst. Wenn du aber an zwei Brettern gleichzeitig spielst kannst du gar nicht verhindern, dass du dir an dem einen Brett Ideen auch für das andere Brett holst. Ergo geht nicht.


Das hieße, während eines Mannschaftskampfes dürfte ich die anderen Bretter nicht betrachten, weil ich mir da "Ideen holen könnte"? Außerdem heißt selber spielen gerade nicht analysieren. Diese Begründung ist also genauso Käse.

dfuchs hat geschrieben:
Da du auch Schiedsrichter bist, würde ich dich noch an C.05.12 a) des FIDE-Handbuchs erinnern. Als Schiedsrichter mit Vorbildfunktion in Sachen fair play, wirst du dich sicher daran halten, auch wenn es nicht explizit Teil der Turnierleitung ist, oder?


Wenn jemand, der auch Schiedsrichter ist, selber eine Partie spielt, gelten für ihn nur die Regeln, die für Spieler gelten, nicht diejenigen für Schiedsrichter. Was soll die Erwähnung des Handbooks beim Spiel in einem Wettbewerb, wo dieses ohnehin nicht gilt?

So ist er halt, der dfuchs. Irgendwann kommt immer die Keule "FIDE-Handbook", wo dieses oder jenes drinstehen soll, was aber in der Kreisklasse ohnehin keinen interessiert.


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BeitragVerfasst: 10.03.2014, 15:52 
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Ich denke auch, dass die von dfuchs angegebenen Begründungen entweder nicht zutreffen oder aber sehr, sehr dünn sind.
Immerhin hat er sich aber gedanken gemacht.
Besonders interessanz finde ich folgenden Satz:
Zitat:
Da du auch Schiedsrichter bist, würde ich dich noch an C.05.12 a) des FIDE-Handbuchs erinnern. Als Schiedsrichter mit Vorbildfunktion in Sachen fair play, wirst du dich sicher daran halten, auch wenn es nicht explizit Teil der Turnierleitung ist, oder?

Alexander spielt ja als Spieler und nicht als Schiedsrichter! Und Turnierleitung soll sicher Turnierordnung heißen?
Der Hinweis mit dem FIDE-Handbbok ist auch interessant.
In einem anderen Thread, wo es um Ergebnisabsprachen der beiden MF in einem 2.Bundesliga-Kampf ging, hat er mit dem Argument, dass das FIDE-Handbook nicht Bestandteil deutscher Turnierordnungen ist, eben dies als zulässig bezeichnet.
Es ist schon merkwürdig, wenn man es sich mal so und mal so raussucht.

Um die m.M. nach etwas verquere Anfrage von Alexander zu beantworten (über so etwas habe ich noch nie nachgedacht und meiner Kenntnis nach gab es das auch noch nie), würde ich es ebenso verquer beantworten:
Mehrere Partien gleichzeitig zu spielen, geht nur beim Simultanschach.
Ob es sich um Simultanschach handelt, steht in der Ausschreibung. :? :roll: :?


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BeitragVerfasst: 10.03.2014, 17:31 
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Ich gebe zu, dass das alles von mir sehr dünn ist. Aber die Turniergerichtsurteile, die ich dazu gelesen habe sind einhellig der Meinung, dass gleichzeitig doppeltes Spielen nicht erlaubt ist. Daher würde ich so entscheiden. Ich habe kein einziges Urteil gelesen, das das anders sieht. (OK, die Sache mit der Doppel 0 ist manchmal anders geregelt, wenn in verschiedenen Klassen gespielt wird, so dass die höhere oder niedrigere Klasse grundsätzlich genullt wird).

@Georg Heinze:
Ich erwarte von einem Schiedsrichter mehr Regelkenntnis und ein höheres Level des Fair Play Gedanken, als von einem "normalen" Spieler. Wir Schiedsrichter sind nach meinem Verständnis auch als Spieler Vorbilder.
Genau darum erwarte ich, dass man sich als spielender Schiedsrichter auch an Regeln hält, die eben gerade nicht explizit für dieses Turnier gelten.

Grüße Daniel


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BeitragVerfasst: 10.03.2014, 17:56 
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Registriert: 20.10.2007, 11:27
Beiträge: 905
dfuchs hat geschrieben:
@Georg Heinze:
Ich erwarte von einem Schiedsrichter mehr Regelkenntnis und ein höheres Level des Fair Play Gedanken, als von einem "normalen" Spieler. Wir Schiedsrichter sind nach meinem Verständnis auch als Spieler Vorbilder.
Genau darum erwarte ich, dass man sich als spielender Schiedsrichter auch an Regeln hält, die eben gerade nicht explizit für dieses Turnier gelten.

Grüße Daniel

Daniel, war mir schon klar, wie das gemeint ist.
Mir ging es aber mehr um die Begründung (FIDE-Handbook ...) und um das Fair Play, was eigentlich überall gelten sollte. Ich bin der Meinung, Fair Play ist unteilbar und sollte auch in Deutschland überall gelten.


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BeitragVerfasst: 10.03.2014, 18:05 
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Registriert: 09.11.2007, 18:27
Beiträge: 357
Ich hoffe wir können uns darauf einigen, das Schachfeld-Thema hier nicht nochmal zu erläutern.
Für mich gibt es einen Unterschied, welches Verhalten ich von einem Spieler erwarte, dem was ich dulde und dem was ich einklagen kann.
Von einem Spieler erwarte ich weniger in Richtung Fair Play, als von einem ausgebildeten Schiedsrichter.
Dulden tue ich auch weniger, wobei ich dann bei einem Fehlverhalten in dem Bereich unternehme ich nichts gegen eine Person als Spieler, sondern mehr gegen die Person als Schiedsrichter.
Und einklagen kann ich gegen beide genau das Gleiche.

Grüße Daniel


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